Das Abitur hast du fast in der Tasche und du stehst vor der großen Entscheidung, wie es weitergehen soll? Ob es eine klassische Ausbildung, ein Studium oder doch lieber das duale Studium sein soll, ist für dich noch nicht ganz sicher? Mit diesen fünf schnellen Entscheidungshilfen kommst du deiner Entscheidung näher.

1. Nicht erst gestern mit Entscheidungsfindung beginnen

An dem, was dir deine Lehrer und Eltern womöglich nicht nur einmal im Monat predigen, ist tatsächlich etwas dran: früh anfangen lohnt sich. Denn einige Möglichkeiten benötigen etwas Vorlauf und sind an bestimmte Bewerbungsfristen gekoppelt. Möchtest du eine Ausbildung absolvieren, startet diese in der Regel im August oder September. Hier solltest du dich allerdings einige Monate vorher schon bewerben und nicht darauf warten, bis du deinen Abschluss in der Tasche hast. In manchen Branchen, wie etwa den Versicherungen und Banken, sind sogar Fristen von 12 Monaten vor Ausbildungsbeginn keine Seltenheit.

Ähnlich ist es mit einem Studium. Raus aus der Schule und direkt rein in die Universität? So leicht und ganz ohne Papierkram geht das leider auch nicht. Je nach Hochschule und Studiengang sind andere Bewerbungsfristen zu beachten. Auch solltest du schauen, ob dein gewünschter Studiengang sowohl zum Winter- als auch zum Sommersemester startet.

Genug Vorlauf ist bei all den Möglichkeiten und dazugehörigen Fristen daher besonders wichtig. Nichts wäre schlimmer, als wenn du dich endlich für eine Richtung entschieden hast und dann feststellst, dass alle Fristen schon abgelaufen sind.

2. Auf dein Gefühl hören und andere Meinungen einordnen

Dein Kumpel geht zum BWL-Studium nach Hamburg und will, dass du mitkommst. Deine Eltern wünschen sich, dass du ein Lehramtsstudium beginnst. Wenn es nach deiner Oma geht, solltest du eine Ausbildung in der Heimat absolvieren. Und dein Lehrer rät dir, auf keinen Fall ein Chemiestudium zu beginnen. Viele Meinungen, viele Wünsche – aber vor allem eine Sache, die vergessen wird: Was möchtest du? Natürlich kannst du Meinungen von deinem näheren Umfeld annehmen, sei es nun Familie, Lehrer oder Freunde. Diese Meinung können dir helfen, um eine Einschätzung von außen zu bekommen, was zu dir passt und was nicht. Genauso kannst du dir Personen suchen, die das mögliche Studium oder die potenzielle Ausbildung bereits absolvieren oder absolviert haben. Sie können dir Antworten und konkrete Einblicke geben. Manchmal verzettelt man sich in den eigenen Überlegungen und da kann ein Impuls von anderen Personen Gold wert sein. Nichtdestotrotz geht es darum, was du möchtest. Hab auch den Mut, dich über die anderen Meinungen hinwegzusetzen und selbstbestimmt eine Entscheidung zu treffen.

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3. Selber Fragen stellen und beantworten

Um auf deinem Weg der Entscheidungsfindung weiterzukommen, kannst du dir gewisse Fragen stellen und beantworten. Der folgende Fragenkatalog hilft dir dabei, eine grundsätzliche Richtung zu finden und gleichzeitig die Machbarkeit deiner Wünsche zu hinterfragen. So hast du dich schon vor deiner finalen Entscheidung mit den wichtigsten Aspekten auseinandergesetzt und bist dir der Konsequenzen deiner Entscheidung bewusst.

Step 1: Die Richtung finden

  • Welche Schulfächer interessieren dich besonders und wo bist du besonders gut?
  • Was sind deine Stärken und Schwächen?
  • Welche Interessen und Hobbies hast du?
  • Möchtest du, dass dein Hobby zum Beruf wird?
  • Bist du lieber der Theoretiker, der Wissen gerne vertieft oder der Praktiker, der Dinge anpackt?
  • Wie lernst du am liebsten: Zuhören und Lesen oder Learning-by-Doing?
  • Brauchst du den Kontakt zu Kollegen mit praktischer Erfahrung oder reicht dir der Umgang mit Kommilitonen und Dozenten?
  • Welche Probleme kannst du bereits jetzt bei welchem Bildungsweg ausmachen?
  • Welche Studiengänge und Ausbildungen fühlen sich für dich unpassend an?
  • Was empfehlen dir Lehrer, Eltern oder Freunde? Wie stehst du dazu?
  • Wie stellst du dir deine Zukunft vor? Welche Ziele willst du erreichen?
  • Welcher Bildungsweg passt besser zu deinen Wünschen?

Step 2: Realitätscheck

  • Hast du mit deinen momentanen Noten gute Chancen auf die Ausbildung oder das Studium, das dir vorschwebt?
  • Bist du bereit, für ein Studium oder eine Ausbildung umzuziehen?
  • Wie wichtig ist dir die Dauer deines Bildungsweges?
  • Verfügst du über Erfahrungen oder Vorkenntnisse, die dir für das Studium oder die Ausbildung angerechnet werden könnten?
  • Wie würdest du dir deine Ausbildung oder dein Studium finanzieren?
  • Gibt es Fördermöglichkeiten für dich?
  • Hast du Unterstützung von Eltern und Freunden bei deinem ausgewählten Weg? Wenn nein, benötigst du diese?
  • Wie schätzt du nach deinem Schulabschluss deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt für das Studium oder die Ausbildung ein?
  • Wie sind die Bewerbungsfristen für die Ausbildung oder das Studium?
  • Hast du Möglichkeiten wie Berufsmessen oder „Tage der offenen Tür“ im Blick, um direkt mit potenziellen Hochschulen oder Arbeitgebern in Kontakt zu treten, um deine Entscheidung zu festigen?

4. Sich nicht von Vorurteilen blenden lassen

Studenten sind grundsätzlich faul und so ein Lifestyle passt doch eigentlich so gar nicht zu dir? Mit einer Ausbildung kann man doch gar kein Geld verdienen, aber du willst doch Karriere machen? Es gibt nicht wenige Vorurteile über beide Wege, mit denen du wahrscheinlich auch während deiner Entscheidungsfindung konfrontiert wirst. Von nicht handfesten Aussagen solltest du dich nicht blenden lassen und sie bei deiner Entscheidungsfindung zurückstellen. Als Hilfestellung räumen wir mit den vier größten Vorurteilen auf:

Vorurteil Ausbildung #1: „Mit einer Ausbildung kann man keine Karriere machen!“
Wie eine Karriere verläuft, kann man nicht an den Startbedingungen oder Bildungswegen allgemeingültig festmachen. Natürlich starten Auszubildende in einer klassischen Unternehmenshierarchie weiter unten, dafür aber meist eher als Hochschulabsolventen. Ebenso gibt es manche Branchen (wie die Forschung), in denen Akademiker bessere Chancen haben. Andersrum ist es für manche Studierende nach der Beendigung des Studiums manchmal gar nicht so leicht, in die Berufswelt einzusteigen. Aber wie deine Karriere verläuft, hängt letztlich viel von deiner Arbeitseinstellung und Motivation ab. Wer Karriere machen möchte, kann das als Auszubildender oder als Akademiker.

Vorurteil Ausbildung #2: „Auszubildende sind nicht so schlau wie Studenten!“
Eine klassische allgemeingültige Aussage, die mal so gar nicht stimmt. Auch für Ausbildungen werden gute Schulnoten abverlangt und gerade die fachspezifischen Ausbildungsinhalte sind nicht zu unterschätzen. Auch kaufmännische Grundlagen sind Lernstoff in fast jeder Ausbildung.

Vorurteil Studium #1: „Wer ein Abitur hat, sollte auch studieren gehen!“
Dies ist ein Klassiker, der immer wieder in Gesprächen rund um das Studium und die Ausbildung fällt. Manche Eltern oder Verwandte tendieren dazu, den Hinweis mitzugeben, dass man direkt nach der 10. Klasse hätte aufhören können, um eine Ausbildung zu beginnen. Einige Ausbildungsunternehmen verlangen jedoch heutzutage ein Abitur. Ebenso kannst du dich erst nach dem Abitur für einen Weg entscheiden, den du gar nicht gewählt hättest, als du noch in der 10. Klasse warst. Auf der anderen Seite gibt es mittlerweile auch Studienfächer, die kein Abitur, sondern eine berufliche Qualifikation einfordern oder für welche ein Fachabitur genügt.

Vorurteil Studium #2: „Mit dem Studiengang wirst du am Ende nur Taxifahrer!“
Bei Studiengängen, die besonders speziell sind und eine Nische bedienen, oder bei jenen Studienfächern, die häufig gewählt werden, werden häufig schlechte Berufschancen unterstellt. Da wird schon mal davon gesprochen, dass man mit dem Studium als Taxifahrer ende. Solche Aussagen sind in der Regel nicht allgemeingültig und häufig falsch. Auch hier gilt: Wenn du Leidenschaft für das Fach entwickelst, gute Leistungen erbringst, wirst du deine Nische oder deinen Platz finden. Praktika oder Nebenjobs können hier natürlich zusätzlich helfen, um Kontakte zu knüpfen und Praxiserfahrung zu sammeln.

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5. Oldies but goldies: Die Pro- und Contra-Liste

Manchmal kann die gute alte Pro-Contra-Liste das Mittel der Wahl sein, um im Entscheidungsprozess voranzukommen. Wir haben dir eine kurze Liste zusammengestellt, welche Argumente für ein Studium und welche für eine Ausbildung sprechen. Allerdings solltest du bei derartigen Listen auch immer deine persönliche Situation im Blick haben: Nicht alles, was auf einer allgemeingültigen Liste steht, gilt für dich genauso. Ein gutes Beispiel ist das Thema Finanzierung. Hier spricht für die Ausbildung, dass du meist während der Ausbildung schon Geld verdienst, anders als beim Studium, wo du finanziell abhängiger bist. Mit Nebenjobs und Fördermöglichkeiten kann sich dieser vermeintliche Nachteil des Studiums aber ganz schnell wieder ausgleichen.

Vorteile einer Ausbildung

  • Du startest direkt nach der Schule ins Berufsleben.
  • Du hast viel Praxisbezug und bist näher dran am echten Leben. Dein Wissen sammelst du in der Praxis an.
  • Deine Aufgaben sind klarer formuliert, du arbeitest in Teilen auch eigenverantwortlich.
  • Der Berufseinstieg folgt meist direkt nach der Ausbildung und ein Großteil der Azubis wird nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung meist direkt vom Unternehmen übernommen.
  • Als Auszubildender verdienst du bereits dein eigenes erstes Geld, das dir hilft, auf eigenen Beinen zu stehen.
  • Du kannst nach deiner Ausbildung den Aufstieg zur Führungskraft oder gar in die Selbstständigkeit angehen.
  • In der Ausbildung kannst du in die Berufswelt hineinschnuppern. Viele Unternehmen bieten die Möglichkeit, unterschiedliche Berufe und Bereiche kennenzulernen.
  • Du kannst nach der Ausbildung noch ein Studium anfangen und dies stressfreier finanziell stemmen.

Vorteile eines Studiums

  • Du kannst als Akademiker eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen.
  • Du kannst dich theoretisch mit Themen und Sachverhalten beschäftigen und dich wissenschaftlich intensiv damit auseinandersetzen.
  • Du hast eine hohe Eigenverantwortung, mehr Flexibilität und lernst, dich zu organisieren.
  • Unter Akademikern gibt es die geringste Arbeitslosenquote und das Risiko der Arbeitslosigkeit ist somit geringer.
  • Du hast Zeit, erwachsen zu werden. Du lernst neue Wege zu denken und zu diskutieren und knüpfst viele neue Kontakte in dieser Phase deines Lebens.
  • Für gehobene Positionen wird in manchen Unternehmen ein Studium vorausgesetzt. Für manche Berufe ist zudem ein Studium zwingend erforderlich (z.B. Arzt, Lehrer, Anwalt).
  • Du kannst während deines Studiums viele Praktika absolvieren und dich in verschiedenen Branchen ausprobieren.
  • Du kannst dich im Studium immer noch orientieren und eine Spezialisierung wählen. Erst im Laufe des Studiums schärft sich dein Berufsziel.

Der Mittelweg: Ein duales Studium?

Eine mögliche Alternative, die aus beiden Wegen gewisse Vorteile vereint, ist das duale Studium. Hier trifft das praktische Arbeiten auf theoretische Grundlagen. Diese Möglichkeit wird von immer mehr Unternehmen in Deutschland für junge Menschen angeboten. Natürlich ergeben sich auch hier spannende Herausforderungen.

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