Die Finanzbranche hat das Prinzip der Nachhaltigkeit für sich entdeckt. EU-Regeln fordern, dass die Produkte von Banken und Fondsgesellschaften langfristigen Zielen dienen und nicht bloß dem schnellen Gewinn. Und das hat gute Gründe.

Investoren sollen verantwortungsbewusster agieren und Anlageprodukte für den Verbraucher transparenter werden, so fordern es Finanzmarktrichtlinien wie MiFID II und Basel III.

Bei Anlegern kommen diese Initiativen an: 78,8 Milliarden Euro legen mittlerweile Konsumenten in Finanzanlagen mit ökologischem und sozialem Zusatznutzen an, teilt das Umweltbundesamt mit.

Längst bemühen sich Pensionskassen und Versicherungen, Kundengelder in verantwortungsvoll wirtschaftende Unternehmen zu stecken. Zum einen müssen sie ihren Anlegern genauer Rechenschaft über ihre Investments ablegen. Zum anderen setzt sich die Erkenntnis durch, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen langfristig eine attraktive Anlage sind. „Nachhaltigkeit geht nicht zulasten der Rendite, sondern kann sie vielmehr steigern“, sagt Timo Timm, Produktmanager Investment bei Swiss Life Deutschland. Der Dow Jones Sustainability World Index, der die Kursentwicklung verantwortungsbewusst agierender Unternehmen weltweit misst, kletterte in den vergangenen fünf Jahren um immerhin über 26 Prozent*. Mehr als 2.200 Untersuchungen dazu hat auch die Universität Hamburg ausgewertet: Die weit überwiegende Mehrheit davon wies nach, dass nachhaltige Strategien einen neutralen oder positiven Einfluss auf die Rendite haben.                                             

Die Standards steigen
Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit bei der Geldanlage hält an. Seit 2017 müssen alle börsennotierten Unternehmen ausführlicher darlegen, welche Umwelt- und Sozialstandards sie einhalten. Ökologie, Soziales und Unternehmensführung („ESG“) entwickeln sich zu Standardkriterien bei der Geldanlage. Das verleiht dem Geschäft zusätzlichen Schub: Der Gesamtmarkt der nachhaltigen Geldanlagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz umfasste Ende des vergangenen Jahres 280,6 Milliarden Euro, so der Fachverband Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG).

Nachhaltige Investmentfonds und Mandate in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Milliarden Euro

 

Nur die Klassenbesten
Will ein Anleger ausschließlich in Ökologie und Soziales investieren, bietet sich ein Themenfonds an – eine sehr enge und somit riskante Nische. Oder möchte er generell Firmen unterstützen, die sich um Umwelt und Gesundheit verdient machen? Hier sind Ökofonds das Richtige. Sie werden von Gesellschaften wie Ökoworld, Sarasin, Triodos oder Kepler angeboten und legen klar fest, welche Aktien außen vor bleiben. Will der Anleger dagegen eine möglichst breite Aktienauswahl nutzen, sollte er Fonds ins Auge fassen, die dem Best-in-Class-Prinzip folgen. Diese investieren in alle möglichen Branchen, allerdings stets in Firmen, die nachhaltiger wirtschaften als die Konkurrenz.

Es hängt vom Manager ab
„Vermögensbildung nach ökologisch-ethischen Grundsätzen hat nichts mit Gutmenschentum zu tun“, sagt Alfred Platow, Gründer der Investmentgesellschaft Ökoworld, die seit 22 Jahren mit dem Fonds Ökovision am Markt ist. „Ethisch geführte Unternehmen haben bessere Chancen, längerfristig stabil zu wachsen“, heißt es bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser, die 1995 den ersten Ethikfonds auf den deutschsprachigen Markt brachte.

Einige aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds haben in den letzten Jahren den Vergleichsindex abgehängt. Eine Garantie auf solche „Überrenditen“ gebe es allerdings nicht, mahnt die Frankfurt School of Finance & Management: Die Performance hänge letztlich vom Manager ab – und dessen Kontrolleuren.

Ausschlusskriterien für in Deutschland aufgelegte nachhaltige Fonds

 

*Stand: 27.9.2018
Foto: shutter_m/iSTock/Thinkstock

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