Studienabbruch – was nun?

Studienabbruch – keine einfache Entscheidung, aber auch keine Seltenheit. Die häufigsten Gründe und hilfreiche Tipps zu finanziellen und versicherungstechnischen Fragen.

Wir treffen täglich unzählige Entscheidungen: Mit dem Fahrrad oder Auto zur Arbeit? Die schwarze oder rote Bluse? Erst zum Supermarkt oder zur Post? Die meisten fallen uns nicht sonderlich schwer. Anders sieht das zum Beispiel bei der Wahl des richtigen Studiums aus. 

Studienabbruch – die häufigsten Gründe

Einer aktuellen Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zufolge, beendet rund ein Drittel der Studierenden das Studium ohne Abschluss. Die Gründe für einen Abbruch sind vielseitig:

Zu hohe Anforderungen, unbewältigte Leistungsanforderungen (30 Prozent)

  • Fehlende Motivation (17 Prozent)
  • Wunsch nach mehr Praxis (15 Prozent)
  • Untergeordnete Motive
    - Finanzielle Engpässe
    - Schlechte Studienbedingungen
    - Berufliche Neuorientierung
    - Familiäre Probleme

Studienabbruch – Checkliste für Ihre Entscheidung

Vielleicht tragen Sie den Gedanken, Ihr Studium abzubrechen, ja schon länger mit sich herum. Insgeheim wollen Sie es sich aber nicht eingestehen und haben Angst vor der Entscheidung? So schwer das auch ist: Sollten Sie Zweifel an Ihrem Studiengang haben, schieben Sie die Entscheidung nicht auf die lange Bank. Die Verdrängungstaktik verlagert das Problem nur in die Zukunft.

1. Was ist die Ursache? Beobachten Sie, wann Gefühle wie Unzufriedenheit, Frust, Stress oder Ängste in Ihnen hochkommen. Größtenteils dann, wenn Sie sich mit Ihrem Studium beschäftigen? Oder sind der Auslöser eher Beziehungsprobleme, Geldsorgen oder Heimweh? Stellt sich heraus, dass derartige Belastungen der Auslöser sind, empfiehlt sich eine Studienauszeit, allerdings kein frühzeitiger Abbruch.

2. Ist es eine Laune? Taucht Ihre Unzufriedenheit über einen längeren Zeitraum immer wieder auf oder ist sie nur vorübergehend? Nehmen Sie sich Zeit, sich genau zu beobachten. Insbesondere dann, wenn Sie Zweifel und Unbehagen bereits am Anfang des Studiums beschäftigen, lohnt sich ein schneller Wechsel umso mehr.

3. Was stört Sie genau? Ist es vielleicht „nur“ ein Dozent, der Ihnen die Freude am Studieren nimmt? Oder haben Sie sich für zu viele Kurse und Hausarbeiten angemeldet, die Sie überfordern? Seien Sie sich in jedem Fall darüber bewusst: Auch am coolsten Studiengang muss nicht alles Spaß machen. Klar, sind Sie enttäuscht, weil Ihre Erwartungen nicht voll und ganz erfüllt wurden. Dies sind jedoch keine ausreichenden Gründe, Ihr Studium frühzeitig zu beenden.

4. Ist es das Studienfach? Freuen Sie sich darauf, nach Ihrem Studium, den Beruf auszuüben? Wenn ja, sollte das Ihre größte Motivation sein. Beißen Sie die Zähne zusammen und halten Sie durch. Sie wissen, wofür Sie es machen. Sind es hingegen eher Ihre Eltern, die sich freuen würden, z. B. einen Mediziner in der Familie zu haben? Dann ist es sinnvoll, genau zu hinterfragen, was Sie selbst – unabhängig von der Meinung anderer – wirklich machen möchten.

Tipp: Falls Sie schon auf der Zielgeraden Ihres Studiums sind, kann es sich lohnen durchzuhalten, denn insbesondere in Deutschland wird viel Wert auf Abschlüsse gelegt. Ein beendetes Studium könnte Ihre Eintrittskarte ins Berufsleben sein – das gilt auch für einen fachfremden Bereich. Mit Ihrem Studium beweisen Sie Ihrem zukünftigen Arbeitgeber unter anderem viel Durchhaltevermögen, Organisationstalent und eine strukturierte Arbeitsweise, was für den Einstieg ins Berufsleben schon genügen kann. Eine Umschulung oder ein Aufbaustudium können Sie nach Bedarf dann ja immer noch anschließen.

Studienabbruch – was gibt es zu beachten

Sie haben sich entschieden und möchten Ihr Studium vorzeitig beenden. Unweigerlich stellt sich die Frage: Wie geht es jetzt weiter? Nach einem Studienabbruch sollten Sie sich in erster Linie Gedanken darüber machen, welchen weiteren Lebensweg Sie einschlagen wollen. Genauso wichtig ist aber auch, die finanziellen und versicherungstechnischen Folgen im Blick zu behalten – auch wenn das sehr viel weniger spannend ist.

Studienabbruch: BAföG

Wenn Sie BAföG für Ihr Studium bekommen, sind Sie dazu verpflichtet, das BAföG-Amt unverzüglich über Ihre Exmatrikulation zu informieren, damit die laufenden Fördersummen eingestellt werden können. Auch wenn Sie nur ein anderes Fach studieren möchten, müssen Sie einen neuen Antrag stellen. Weitere Infos gibt´s hier.

Studienabbruch: Nebenjob

Falls Sie während Ihres Studiums einem Mini-Job auf 450-Euro-Basis nachgegangen sind, ändert sich für Ihren Arbeitgeber in der Regel nichts. Anders verhält es sich jedoch, wenn Sie Ihre Studentenkasse als Werkstudent aufgefüllt haben. Dann ändern sich , sowohl für Sie als auch für den Betrieb, die Höhe der zu zahlenden Sozialversicherungsbeiträge. Ihr Arbeitgeber sollte daher unmittelbar über die veränderte Situation informiert werden. Vielleicht ergeben sich ja andere Möglichkeiten einer weiteren Beschäftigung.

Studienabbruch: Krankenversicherung

Mit dem Studienabbruch endet die Pflichtversicherung für Studenten.

Daher ist es wichtig, auch Ihre Krankenkasse zu kontaktieren, um das weitere Versicherungsverhältnis zu klären. Alles Weitere hängt mit Ihren nächsten geplanten Schritten ab. Bei einem Studienfachwechsel kann die alte Versicherungsform bestehen bleiben. Wenn Sie eine Arbeit annehmen, sind Sie über Ihren Arbeitgeber versichert. Sollten Sie zunächst arbeitslos sein, übernimmt das Jobcenter die Kosten für Ihre Krankenversicherung.

Studienabbruch: Anspruch auf Kindergeld

Wichtig ist: Auch der Kindergeldstelle muss der Studienabbruch gemeldet werden. Sofern Sie eine andere Ausbildung machen und unter 25 Jahre sind, wird weiterhin Kindergeld ausgezahlt. Sind Sie sich noch nicht sicher, wie es weitergehen soll und gehen erst einmal kein neues Ausbildungsverhältnis ein, erhalten Sie in der Regel auch kein Kindergeld mehr. Weitere Infos finden Sie hier.

Studienabbruch: Arbeitslosengeld II

Sollten Sie nach dem Studienabbruch noch einen Job haben, können Sie Wohngeld als ergänzende Leistung beantragen. Wenn der Lebensunterhalt trotzdem nicht gesichert werden kann, besteht ein Anspruch auf Arbeitslosgengeld II. Die Höhe ist von der jeweiligen Wohnsituation abhängig. Sobald Sie ein neues Studium oder eine Ausbildung beginnen, endet der Anspruch II.  Der Grund: Ab diesem Zeitpunkt können Sie wieder über das BAföG-Amt gefördert werden. 

Studienabbruch – Möglichkeiten nach dem Abbruch

Nach dem Studienabbruch stehen Sie erneut vor der Entscheidung, wie Sie Ihr Leben zukünftig gestalten möchten. Das Gute ist: Sie sind einen großen Schritt weiter als zu Beginn Ihres Studiums und wissen nun besser, was Sie wollen und was nicht.

Ausbildung oder Studium

Im Fall eines neuen Studiums können Sie bestenfalls direkt von Ihrem abgebrochenen Studium profitieren und bereits erbrachte Studienleistungen anerkennen lassen. In einer Ausbildung besteht die Möglichkeit, die Ausbildungszeit zu verkürzen. Ob der Antrag auf Verkürzung genehmigt wird, entscheidet der jeweilige Ausbildungsbetrieb zusammen mit der Industrie- und Handelskammer.

Selbstständigkeit

Mark Zuckerberg, Bill Gates und Steven Spielberg– Sie alle haben ihr Studium abgebrochen und den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Heute zählen sie zu den erfolgreichsten Unternehmern der Welt. Natürlich sind das besondere Erfolgsgeschichten – sie allerdings Mut machen können, einen ähnlichen Weg einzuschlagen. Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Instituts für die Zukunft der Arbeit (IZA) zufolge, ist die Gründungsmotivation ganz entscheidend für den Erfolg: „Je konkreter die eigene Geschäftsidee und der Wunsch, sein eigener Chef sein zu wollen, desto wahrscheinlicher der Erfolg.“

Übrigens: Selbstständig geht’s auch bei Swiss Life Select, als freier Handelsvertreter – ganz ohne Unternehmensgründung. Mehr dazu findest du auf unserer Karriere-Seite.

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