Pflege im Alter – was geht mich das an?

Sehr viel! Eine schwerwiegende Gesundheitsschwäche liegt für viele Menschen zwar noch in weiter Ferne. Kommt es jedoch dazu, drohen auch finanzielle Herausforderungen. Nicht nur für die Betroffenen, sondern teilweise auch für die Familie. Bei Bedarf müssen in der Regel Ehepartner oder Kinder oder sogar Enkel einspringen – mit Geld oder sie pflegen ihre Angehörigen selbst, oft mit beidem.

Pflegebedürftigkeit geht uns alle an. Denn laut Statistik trifft es jeden zweiten Mann und sogar zwei von drei Frauen. Ist man nicht selbst betroffen, dann sind es oftmals Angehörige. Die Deutschen ahnen, dass sie hierauf nur unzureichend vorbereitet sind. In einer Umfrage im Auftrag von Swiss Life Select äußerten nur acht Prozent der Interviewten, dass sie in Sachen Pflege mit Zuversicht in die Zukunft blicken und drei von vier Befragten befürchten, dass die gesetzliche Pflegepflichtversicherung für den eigenen Pflegefall nicht ausreichen wird. Damit dürften sie Recht haben, denn die Sozialträger erstatten im Leistungsfall häufig nur einen Teil der erforderlichen Aufwendungen.

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Besserverdiener zahlen

Eine besonders große Lücke entsteht zumeist beim Aufenthalt im Pflegeheim. Dort berechnet man nicht selten 3.000 Euro oder mehr im Monat. Dafür gibt es zumeist nur ein Zimmer, Essen und Betreuung, aber noch kein Geld für Taschengeld bzw. persönliche Aufwendungen. Nach Abzug der Leistungen der Pflegepflichtversicherung bleibt in der Regel ein hoher Eigenanteil übrig. Seit 2017 dürfen die Pflegeheime ab Pflegegrad 2 nur noch gleichbleibende Eigenanteile berechnen. Klingt gut, weil es dann in höheren Pflegegraden nicht mehr teurer wird. Leider bedeutet das, dass es durch diese Regelung in den unteren Pflegegraden deutlich teurer geworden ist. Den Pflegegraden also, in denen sich die meisten Pflegebedürftigen befinden.

Der derzeitige einrichtungseinheitliche Eigenanteil beträgt derzeit 1.750 Euro. Betroffene sind verpflichtet, nahezu ihr gesamtes Vermögen (bis auf 5.000 Euro Freibetrag pro Person) sowie ihre gesamten Einkünfte (bis auf ein Taschengeld von 112 Euro monatlich) einzusetzen.

Reichen Einkünfte und Vermögen nicht aus, springt das Sozialamt ein. Allerdings wird es versuchen, sich diese Zahlungen zurückzuholen.

Auf das hart erarbeitete Häuschen z. B. kann eine Zwangssicherungshypothek eingetragen werden, sofern es noch von einem Lebenspartner bewohnt wird. Ansonsten muss es veräußert werden. Auch Ehepartner und Kinder stehen mit ihrem Vermögen und Einkommen in der Pflicht. Das trifft vor allem Besserverdienende, die ihre Freibeträge überschreiten. Dazu ein Beispiel: Ledigen Kindern steht ein Freibetrag von 1.800 Euro zu. Unter Umständen etwas mehr, sofern anerkannte Aufwendungen (z.B. Kreditverpflichtungen und Altersvorsorge) nachgewiesen werden können. Liegt das Nettoeinkommen darüber, verlangt das Sozialamt in der Regel 50 Prozent der Differenz für den nicht gedeckten Pflegeaufwand. Bei einem Nettoeinkommen von 2.400 Euro müsste das Kind also 300 Euro Unterhalt im Monat oder 3.600 im Jahr zuzahlen.

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Geld und Geduld für die Pflege zu Hause

Aber reden wir nicht nur über die finanziellen Lasten. Die meisten Angehörigen wollen das Beste für ihre Ehepartner oder Eltern. Und die wiederum möchten im Allgemeinen so lange wie möglich die eigenen vier Wände bewohnen und eigenständig leben. Vielfach lässt sich das auch einrichten, wenn jemand hilft – zum Beispiel beim Einkaufen oder im Haushalt.

Wohnen die Kinder in der Nähe, lässt sich manches in Eigeninitiative erledigen. Ist das nicht oder nicht ständig der Fall, können Dritte einspringen. Die Pflegepflichtversicherung unterscheidet privat erbrachte Pflegeleistungen, die mit einem sogenannten Pflegegeld vergütet werden und die professionelle Pflege, z.B. durch einen ambulanten Pflegedienst, die mit deutlich höheren Beträgen vergütet wird. So oder so reichen die Leistungen jedoch häufig nicht aus, um den vollständigen Pflegebedarf zu decken. Gegen solche Engpässe kann eine private Pflegezusatzversicherung schützen. Sie kann die Versorgungslücke der Pflegepflichtversicherung reduzieren oder schließen und bewahrt damit das Familienvermögen. Das Beste daran: Die Leistungen der üblichen Verträge können Sie völlig frei und ohne Kostennachweis verwenden, also z.B. als Lohnersatz für eine pflegende Stieftochter, als Benzingeld für den helfenden Enkel, für eine Haushaltshilfe oder eben für einen professionellen Pflegedienst.

Aber erst ein geringer Teil der Deutschen sorgt privat mit einer entsprechenden Pflegezusatzversicherung vor (bundesweit sind es nur etwa 5 Prozent, unter den von Swiss Life Select Befragten lag die Quote immerhin bei 15 Prozent). Lieber steckt man den Kopf in den Sand: „Einen Pflegeschutz kann ich mir nicht leisten“, lautete eine Begründung, die 63 Prozent der Interviewten vortrugen. Unzählige Menschen stecken allerdings ein Vielfaches der für einen guten Pflegeschutz erforderlichen Summe in den kurzfristigen Konsum – Urlaub, Bezahlfernsehen oder Musik. Auch die Unkenntnis über die Möglichkeiten, sich privat abzusichern, trägt zu diesem widersprüchlichen Verhalten bei. 20 Prozent der Befragten der Swiss Life Select-Studie wissen nicht, wo und wie eine gute Absicherung zu bekommen ist, was sie leistet und was sie kostet.

Private Pflegezusatzversicherung

Im Wesentlichen gibt es zwei Möglichkeiten: die Pflegerente und das Pflegetagegeld. Wählen Sie eine Pflegerente, sind Sie solide geschützt. Die vereinbarten Beiträge steigen nur dann, wenn eine Dynamik vereinbart worden ist. Außerdem entsteht bei den meisten Versicherungen ein Anspruch auf fest vereinbarte Monatsrenten, abhängig vom jeweiligen Pflegegrad. Ob die Pflege im Heim oder in den eigenen vier Wänden stattfindet, spielt dagegen keine Rolle. Eine Pflegerente erfordert eine umfassende Gesundheitsprüfung.

Bei dem deutlich  preiswerteren Pflegetagegeld können die Beiträge nicht nur durch eine vereinbarte Dynamik, sondern auch durch veränderte Rechnungsgrundlagen, z. B. längere Lebenserwartungen oder steigende Pflegeeintrittswahrscheinlichkeiten, steigen. Es punktet dafür gemeinhin mit wenigen Kernfragen bei der Gesundheitsprüfung und mit einer größeren Flexibilität. Meist können die ambulanten und stationären Leistungen für dieselben Pflegegrade unterschiedlich hoch vereinbart werden, wodurch der Bedarf zielgenau gedeckt werden kann.

Lassen Sie sich in einem ausführlichen Gespräch beraten, welcher Schutz zu Ihrer individuellen Situation am besten passt. Sind hier die Weichen gestellt, kann die Zukunft kommen. Ein unabhängiges, aktives Leben lässt sich nämlich auch in Pflegesituationen führen.

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