Kreativtechniken: Kreative Ideenfindung mit System

Auf der Suche nach einer innovativen Idee versuchen wir es oft erstmal mit einem Brainstorming oder einer Mindmap. Doch geht das nicht noch kreativer und systematischer? Mit diesen Kreativtechniken können Sie Denkblockaden überwinden und auf völlig neue Ideen kommen.

Walt-Disney-Methode

Die Methode stammt vom Erfinder unserer Kindheitsgeschichten höchstpersönlich: Walt Disney. Oft treffen bei einer Ideenfindung im Team die Meinungen unterschiedlicher Charaktere zusammen, die sich manchmal schwer unter einen Hut bringen lassen. Genau hier setzt die Walt-Disney-Methode an. Ziel ist es, ein Problem aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Die Methode kann entweder allein als Gedankenspiel oder im Team durchgeführt werden. Ist eine genaue Fragestellung, ein Problem oder ein Ziel definiert, kann es schon losgehen. Dann wird diese Ausgangslage aus drei unterschiedlichen Sichtweisen beleuchtet:

1. Der Träumer: Diese Rolle kennt keine Grenzen, keine Risiken und keine Probleme. Er geht davon aus, dass alles möglich ist und kann seine volle Fantasie einbringen.

2. Der Realist: Er nähert sich Themen aus einer praktischen Sicht und fokussiert sich darauf, wie Ideen konkret umgesetzt werden können. Diese Rolle ist neutral, also weder überschwänglich positiv noch extrem kritisch.

3. Der Kritiker: Er bringt den Träumer mit seiner Kritik zur Verzweiflung. Der Kritiker analysiert Probleme oder Widersprüche.

Wichtig ist, dass jeder in seiner Rolle bleibt und nur von diesem Standpunkt aus argumentiert, was je nach Persönlichkeitsstruktur manchmal gar nicht so leicht ist. Aber probieren Sie es doch einfach mal selbst aus. Die Methode eignet sich auch für banale Alltagsfragen. Fragen Sie sich doch mal, wie Sie Ihre Zeit am Wochenende verbringen möchten – träumerisch, realistisch und kritisch.

6-3-5-Methode

Aus dem Namen der 6-3-5-Methode leitet sich schon das wesentliche Vorgehen ab: Sechs Teilnehmer sammeln auf jeweils einem Blatt drei Ideen und geben ihre Blätter fünfmal weiter. Die bestehenden Ideen werden jeweils aufgegriffen und weiterentwickelt. Diese Methode eignet sich vor allem für den Anfang der Ideenfindung, denn in kürzester Zeit entstehen so bestenfalls 108 Ideen. Konkret wird wie folgt vorgegangen:

1. Alle Teilnehmer bereiten jeweils auf einem Blatt eine Tabelle mit drei Spalten und sechs Zeilen vor, sodass 18 Kästchen vorhanden sind.

2. Ein Moderator führt in das Ausgangsproblem ein und übernimmt die Zeitmessung pro Runde (z. B. fünf Minuten).

3. In der ersten Runde füllt jeder Teilnehmer die oberste freie Zeile seines Blattes mit seinen Ideen aus.

4. Die Blätter werden in fünf weiteren Runden jeweils weitergegeben. Jedes Mal wird jeweils oberste freie Spalte mit drei Ideen befüllt, die die Impulse der Vorgänger aufgreifen oder weiterentwickeln.

5. Abschließend können alle gemeinsam die Ideen diskutieren, analysieren und bewerten.

Flip-Flop: Problem umkehren

Bei der Flip-Flop-Methode stellen Sie die Welt auf den Kopf. Hier wird das genaue Gegenteil der ursprünglichen Fragestellung betrachtet, um auf verblüffende Art und Weise auf neue Ideen zu kommen. Hier ein Beispiel:

Eine Gruppe Lehrer möchte den Unterricht an der Schule für die Schüler praxisnaher und interaktiver gestalten. Dafür betrachten sie das Gegenteil: Wie kann der Unterricht noch theoretischer und eintöniger gestaltet werden?

Anschließend sammeln Sie in der Gruppe alle Ideen und Lösungsansätze zur umkehrten Fragestellung. Wurden genug Ideen gesammelt, erfolgt die Auswertung und Analyse der Ergebnisse. Hier werden alle negativ betrachteten Ideen wieder umgekehrt, um für das konkrete Problem positive Lösungsansätze zu generieren. Für die Beispielfrage könnten folgende Ideen gesammelt werden:

Negative Ideen
Positive Ideen

Die Tafel als Hauptmedium im Unterricht

Einsatz von Medien wie Tablets im Unterricht, an denen die Schüler einzeln und gemeinsam lernen können

Hausaufgaben aus dem Lehrbuch

Die Schüler können sich mögliche Aufgaben selber ausdenken und stellen diese ihren Mitschülern

Betrachtung des Lehrinhalts in Sach- und Fachbüchern

Experimente und praktische Auseinandersetzung mit Lehrinhalten

Der Lehrer vermittelt wichtigen Lehrstoff

Expertentage, bei denen externe Gäste Schülern Einblicke in die Praxis geben

Fragenreihen

Diese Methode dreht sich vor allem um ein Wort, das bei neugierigen Kindern sehr beliebt ist: Das „Warum“. Mit Fragereihen können Sie neue Ideen generieren und Ursachen von Problemen identifizieren. Sie beginnen damit, für eine Hauptfrage eine Antwort zu formulieren. Danach stellen Sie zu dieser Antwort eine neue Frage auf, beantworten diese und hinterfragen die Antwort erneut. So entsteht eine Kette aus ganz vielen „Warums“, die Lösungen liefern.

Alphabetische Technik

Die alphabetische Technik ist recht simpel und schnell erklärt: Sie notieren die Buchstaben des Alphabets von A bis Z und ordnen jedem Buchstaben ein Wort mit jeweiligen Anfangsbuchstaben zu, das mit Ihrer Fragestellung oder groben Idee im Zusammenhang steht. Einfach und schnell lässt sich so neuer Input generieren.

Kuchen-Methode

Die Kuchen-Methode liefert das optimale Rezept für innovative Ideen und unterstützt, Lösungen für Probleme zu entwickeln. Mit vier Schritten hilft sie gerade dann, wenn man an einer Stelle nicht weiterkommt.

1. Alle Zutaten zusammentragen: Sammeln Sie auf einem Zettel oder Flipchart alles zu Ihrem Thema: Grobe Gedanken, Informationen, Problemstellungen, Rahmenbedingungen, Meinungen von anderen – einfach alles.

2. Die Zutaten zu einem Teig vermengen: Verbinden Sie die zusammenhängenden Informationen mit Pfeilen, Linien oder Symbolen. Markieren Sie Wichtiges, streichen Sie Überflüssiges und ergänzen Sie Fehlendes. Wichtig ist, nicht zu verkopft vorzugehen. Am Ende entsteht hier Ihr „Gedankenteig“.

3. Der Teig muss ruhen: Lassen Sie Ihre bearbeiteten Notizen ruhen. Beschäftigen Sie sich mit anderen schönen Dingen, die Sie auf andere Gedanken bringen – machen Sie zum Beispiel einen ausgiebigen Sparziergang oder Sport.

4. Die „Hefe“ lässt den Teig aufgehen: Ihr Unterbewusstsein bleibt in dieser Zeit trotzdem aktiv und beschäftigt sich mit den aufgeschriebenen Informationen. Meist kommt dann recht plötzlich eine unerwartete Idee oder eine mögliche Lösung, mit der Sie weiterarbeiten können. 

Sechs Denkhüte von De Bono

Wie bei der Walt-Disney-Methode treffen bei den sechs Denkhüten von De Bono verschiedene Blickwinkel aufeinander. Hier werden sechs Teilnehmer benötigt. Sie setzen sich in sechs Runden jeweils einen Hut auf und nehmen damit eine bestimmte Rolle ein. Während jeder Runde werden Ideen und Gedanken notiert. Nach der sechsten entsteht auf dieser Grundlage eine Diskussion und Bewertung der Ideen. Hier die verschiedenen Hüte und Blickwinkel im Überblick:

1. Weiß: Objektiv, analytisch und neutral. Für diesen Hut zählen Fakten, Zahlen und Daten. Vermeiden Sie eine subjektive Meinung.

2. Rot: Subjektiv und emotional. Hier können Sie Ihre persönliche Meinung und Ihre Gefühle, ob negativ oder positiv, einbringen. Auch Widersprüche sind erlaubt.

3. Schwarz: Pessimistisch, risikoorientiert. Diese Rolle konzentriert sich auf Risiken und Einwände. Stellen Sie objektive Argumente in den Fokus und betrachten Sie die negativen Aspekte.

4. Gelb: Optimistisch, chancenorientiert. Im Gegensatz zum Kritiker betrachten Sie die Dinge realistisch und optimistisch. Sammeln Sie positive Argumente und betrachten Sie die Vorteile eines Themas.

5. Grün: Kreativ, wertefrei. Innovation, Neuheit und Assoziationen stehen im Fokus des grünen Hutes. Denken Sie kreativ, produzieren Sie neue Ideen und denken Sie in keinem Fall kritisch.

6. Blau: Strukturiert, ordentlich. Der blaue Hut sorgt für Ordnung und behält den Durch- und Überblick. Strukturieren Sie die Gedanken und Ideen, die im Team entstehen.

HOW-WOW-NOW-Matrix

Mit der HOW-WOW-NOW-Matrix können Sie Ideen bewerten und aus einer Sammlung die vielversprechenden herausfiltern. Die entscheidenden Kriterien für die Bewertung sind Machbarkeit und Originalität. Aus diesen entsteht eine 2x2-Matrix, also vier Gruppen, in die Sie Ihre Ideen einordnen können:

original

Die Matrix schlüsselt sehr genau auf, welche Ideen Sie weiterverfolgen sollten und von welchen Sie sich trennen können. Besonders gut sind natürlich die Ideen mit dem „WOW“-Faktor. Aber auch die „HOW“ und „NOW“-Ideen haben ein gewisses Potenzial:

Nr.

Bewertungsgruppe

Was bedeutet das für Ihre Idee?

1

niedrige Machbarkeit, wenig Originalität           

Sie können diese Ideen verwerfen.

2

hohe Machbarkeit, wenig Originalität

NOW! Sie können diese Ideen sofort umsetzen.

3

niedrige Machbarkeit, hohe Originalität

HOW? Sie können diese Ideen weiterentwickeln und an der Umsetzbarkeit schrauben.

4

hohe Machbarkeit, hohe Originalität

WOW! Planen Sie für diese Ideen die nächsten Umsetzungsschritte!

Relevanzbaumanalyse

Diese Kreativtechnik gibt es schon seit den 1970er Jahren und seither hat sie: Die Relevanzbaumanalyse eignet sich vor allem dann, wenn komplexe Probleme und Fragestellungen behandelt werden. Diese werden dann ganz einfach auf kleine Einzelschritte runtergebrochen und verständlich gemacht. Eine Gruppengröße von vier Personen ist hier ideal. Wie genau der Relevanzbaum entsteht, sehen Sie anhand eines Beispiels im Video:   

Die richtige Kreativtechnik finden

Welche Methode am Ende die richtige für Ihre Ideenfindung ist, lässt sich schwer sagen. Sie unterscheiden sich alle, zum Beispiel was Zeitintensität, Aufwand oder Teamgröße betrifft. Testen Sie doch einfach verschiedene aus und finden so Ihre perfekte Kreativtechnik! 

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